Gesundheit und Soziales

    Gemeinsam stärker: Unsere Kraft liegt im Betrieb!

    Kircheninfo

    Gemeinsam stärker: Unsere Kraft liegt im Betrieb!

    Kircheninfo (38/2021): Magazin des Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen
    Foto Titelseite Kirchen.info ver.di Kirchen.info


    EDITORIAL


    Zukunft gibt es nicht zum Nulltarif

    Diese zentrale Botschaft adressierte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke nach der Bundestagswahl an die Parteien, die zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses dieser Ausgabe noch an einer künftigen »Ampelkoalition« arbeiteten. Mehr soziale Gerechtigkeit, Wachstum,gute Arbeit und Klimaschutz brauchen Investitionen. Ganz oben steht für ver.di unter anderem mehr Schutz durch Tarifverträge, die Abschaffung des Befristungsmissbrauchs, ein gesetzlicher Mindestlohn von mindestens 12 Euro und der sozialökologische Umbau. Diesen Herausforderungen wird sich die künftige Regierung stellen müssen. Der Ausgang der Wahlen ist bereits Ausdruck eines gewollten Wandels. Schluss mit »weiter so«.

    Insofern ist der Ausgang der Bundestagswahl auch ein Paukenschlag für die Partei mit dem Bezug zur Christlichkeit in ihrem Namen. Sie ist an einem historischen Tiefpunkt angelangt und es drängen sich Parallelen zu den Krisen der beiden christlichen Kirchen in Deutschland auf. Beiden fehlt es an überzeugenden Antworten auf die Vielfachkrisen, wie dem Bedürfnis nach mehr innerkirchlicher Demokratie durch einen synodalen Weg, die Bewältigung der Missbrauchsskandale, eine sinkende Anzahl Kirchenmitglieder, die Gestaltung der Arbeitsbedingungen während der Corona-Pandemie und ein weiterhin erodierender Weg in der Arbeitsrechtssetzung als nur einige Stichworte.

    Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe waren die Verhandlungen über eine neue Bundesregierung noch in den Anfängen. Offen bleibt, was eine künftige Regierung konkret im Koalitionsvertrag vereinbaren wird. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass wir als Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen weiterhin laut und deutlich unsere Forderungen formulieren und ihnen Nachdruck verleihen werden müssen. Die Probleme sind bekannt: Es fehlen Personalbemessungssysteme für die Krankenhäuser, die Altenhilfe sowie die Kitas, eine bedarfsgerechte Finanzierung etwa in der Pflege, den Krankenhäusern oder der Behindertenhilfe und das Ende der Tarifflucht durch Ausgründungen. Dass man gemeinsam etwas bewegen kann, haben im Herbst viele tausend Kolleg*innen bei Charité und Vivantes in Berlin eindrucksvoll bewiesen. Mehr als vier Wochen musste für einen Entlastungstarifvertrag gestreikt werden. Die Kolleg*innen der Servicegesellschaften der beiden Kliniken sind ebenfalls in den Ausstand getreten, sie forderten auskömmliche Löhne. Zurzeit finden Tarifverhandlungen im Bereich der Länder statt, bei dem die Arbeitgeber von Beginn an den Konflikt suchen, und Anfang 2022 beginnen Verhandlungen zur Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes im öffentlichen Dienst. Es sind Beispiele dafür, dass wir Beschäftigte die Verantwortung für unsere eigenen Bedingungen an niemanden abgeben können. Denn wir haben eine gute Lohnentwicklung und bessere Arbeitsbedingungen selbst in der Hand. Gute Rahmenbedingungen muss selbstverständlich die Politik schaffen. Doch klar ist, wir werden gemeinsam mit gewerkschaftlichen Mitteln gegenüber Arbeitgebern und Politik Druck entwickeln müssen, unabhängig von weltlicher oder kirchlicher Trägerschaft eines Arbeitgebers. Für unsere Interessen müssen wir selbst eintreten, laut, unmissverständlich und solidarisch.

    Eure Kirchen.info Redaktion


    Themen der aktuellen Ausgabe

    • Tarifergebnis für die diakonische Altenpflege Hessen – Erfolgreiche Verhandlungen
    • Beschäftigte der evangelischen Kitas in Erfurt organisieren sich – Gleiche Arbeit, gleiches Geld
    • Arbeitsvertragsrichtlinien – Keine kollektiven Regelungen
    • Erzbistum Hamburg verkauft Klinikum – ver.di fordert Erhalt
    • Tipps für die MAV in der katholischen Kirche und Caritas - Aktiv in der MAV
    • JAV-Wahlen 2022 – Ausbildung stärken und Nachwuchs fördern
    • Studie zur Mitbestimmung in der Pandemie – »Als ob der Notstand ausgerufen wurde«
    • Bielefelder Appell - Stopp der Ökonomisierung in Gesundheit, Betreuung und Begleitung


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